Geräusch-Verlust (1) – Sirrrrrrrrr

Neulich bei der Eröffnung einer Ausstellung im Künstler-Atelier „Kühl“ im Norden Berlins: Als ich mir einen Kaffee hole, höre ich neben mir ein seltsames Geräusch, ein motorisches Sirrrrrrrrr-rack-sirrr-rack-sirrrrrrr. Es klang in etwa so hier.
Sehr seltsames Geräusch, vor allem aber: seltsam vertraut.

Ich blicke zur Seite und neben mir steht eine ältere Dame. Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Spiegelreflexkamera, sehr elegantes Modell, etwas für höhere Ansprüche. Und genau aus diesem schwarzen Opto-Boliden kommt das Sirrrrrrrrr-rack-sirrr-rack-sirrrrrrr. Das Gerät ist nämlich gerade dabei – Digital Natives, jetzt aber aufgepasst! – den Film zurückzuspulen. Zurück in so eine kleine, trommelförmige Kassette, damit der abfotografierte Film den Transport zum Entwicklungslabor in einem lichtdichten Gehäuse geschützt verbringt. (Was Entwicklung meint und was da im Labor passiert, das behandeln wir in der nächsten Stunde … ;-)


35mm-Kleinbildfilmkassette.
Foto:
Wikipedia.org

Das Zurückspulen jedenfalls erledigt in dieser 35mm-Kamera ein Motor, und der sirrrrrrrt nunmal, zwar recht unaufdringlich, aber eben hörbar. Sehr cool, so ein Geräusch habe ich eine gefühlte Ewigkeit nicht gehört. Zumal das mir persönlich eher vertraute Zurückspulgeräusch meiner kleinen Kompaktkamera auch viel schriller war, eher so ein fiepsiges jjjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiirrk! Ein Geräusch-Verlust, den ich allerdings nicht wirklich bereue, aber etwas warm um’s Ohr wird mir dabei schon.

Übrigens: Frühere oder puristische Kamera-Modelle boten beziehungsweise bieten dem Nutzer für das Zurückspulen eine kleine Kurbel an. Mit dieser Kurbel ist die Rückführung des Films auf die kleine Spule eine manuelle und – Digital Skeptics, aufgehorcht! – natürlich vollends haptische Tätigkeit. Haptik ist ja des Analog-Romantikers liebster Wert, den er gerne vehement verteidigt. Auch dann, wenn die Haptik von Medien sehr selten wirklich was mit ihren Inhalten zu tun hat, so auch bei Filmen. Ob die Fotografin Menschen, Bilder oder Gebäude fotografiert hat, wirkt sich auf die Haptik der Filmkassette nicht aus. Die fühlt sich immer gleich an, und dasFixierbad (ja, ja, schon gut: nächste Stunde!) riecht auch immer genauso ätzend. Ein Geruch, den ich sehr gerne misse, muss ich jetzt mal sagen.

Dagegen ist mir der Geruch des frischen Kaffees, der heiss in meinem Becher dampft, schon viel lieber. Schlüüüüüüüüüürf!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.